Friede sei mit dir!

Der Friedensgruß gehört zur guten Nachricht. Friede sei mit dir! Das sagt der Engel zu der jungen Frau Maria. Auch in der Ostergeschichte sagt der Auferstandene nach der Überlieferung des Johannesevangeliums: Friede sei mit euch! „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu unser´n Zeiten, es ist ja doch kein Ander´ nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott alleine.“ So haben Mönche im Stundengebet im 9. Jahrhundert gesungen. Mit diesen Worten hat Martin Luther im 16. Jahrhundert ein Lied gedichtet und komponiert. Auch wir singen diese Worte im Gottesdienst, mit alter oder neuer Melodie. Die Sehnsucht nach Frieden ist groß. Weiterlesen

Jesus und Sokrates

Die vergleichende Frage nach Jesus und Sokrates ist für manchen von uns eine sehr neue, aber sie ist bald 2.000 Jahre alt. Die Verteidiger des Christentums im 2./3. Jahrhundert stellten sie schon. Im 20. Jahrhundert fragt Dietrich Bonhoeffer in seinen berühmten Texten, die in „Widerstand und Vergebung“ von seinem Freund Eberhard Bethge gesammelt worden sind, nach Ostern. Er sagt:

„Unser Blick fällt mehr auf das Sterben als auf den Tod. Wie wir mit dem Sterben fertig werden, ist uns wichtiger als wie wir den Tod besiegen. Sokrates überwand das Sterben, Christus überwand den Tod. Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod (vgl. 1. Korinther 15,26). Mit dem Sterben fertig werden, bedeutet noch nicht mit dem Tod fertig werden. Die Überwindung des Sterbens ist im Bereich menschlicher Möglichkeiten, die Überwindung des Todes heißt Auferstehung“ (vgl. Dietrich Bonhoeffer: Werke Bd. 8, 368f).

Wir werden in diesem Text einen großen, weiten Bogen schlagen durch die Jahrtausende. Von dem Fragen des Sokrates im 5. Jahrhundert v. Chr. nach der Tugend (areté) zu Jesu Christi Bergpredigt – Ethik der Feindesliebe (agápe) bis hin zur Ethik Dietrich Bonhoeffers und Hans Küngs im 20. Jahrhundert. Weiterlesen

Zum Holocaust-Gedenktag: Alle Jahre wieder „Nie wieder!“?

„Die Erinnerung darf nicht enden. Sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“ Mit diesen Worten erklärte der damalige Bundespräsiden Roman Herzog 1996 den 27. Januar zum zentralen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. 2005 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den Tag international zum Holocaust-Gedenktag zu machen. Weiterlesen

Ein Gruß zum Jahreswechsel

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6)

Meinen Gruß zum Jahreswechsel will ich zunächst mit einem dankbaren Rückblick auf das Jahr des Reformationsjubiläums beginnen: Obwohl Menschen mit der Kirche nicht mehr selbstverständlich etwas anfangen können, ist es uns gelungen, viele Essener Bürgerinnen und Bürger mit der Geschichte und den zentralen Anliegen der Reformation in Kontakt zu bringen. Dazu haben fast zweihundert Veranstaltungen beigetragen, die von engagierten Ehren- und Hauptamtlichen aus unseren Gemeinden, Diensten und diakonischen Einrichtungen geplant und durchgeführt wurden – ein starkes, ermutigendes Zeichen! Besonders hervorheben möchte ich auch die gelungene und wohltuende Zusammenarbeit über die Grenzen unserer eigenen Konfession und Religion hinweg – hier ist etwas gewachsen, das uns alle auf dem Weg des Miteinanders deutlich voranbringen wird. Und daran wollen wir im kommenden Jahr anknüpfen. Weiterlesen

Ich wünsche Ihnen den Frieden der Heiligen Nacht!

Seit jeher erzählt die Geschichte der Heiligen Nacht von der Menschwerdung Gottes. Das ist ihr Kern: Gott begegnet uns in einem Kind – und nicht als Kriegsfürst, Milliardär oder Präsident. Arm erscheint es, schutzlos und bedürftig. Und doch wohnt eine große Kraft in ihm, die die Menschen bis heute in ihrem Innersten berührt und verwandeln kann – eine Kraft der Nächstenliebe und der Menschlichkeit.

Was bedeutet das – für unsere Zeit? Zum einen – dass es Sinn macht, die uralten Hoffnungen, Lieder und Erfahrungen der Begegnung mit Gott, von denen die Bibel erzählt, durch die Generationen weiterzugeben und mutig in unsere Gegenwart zu übersetzen – damit Menschen auch heute von der Weihnachtsbotschaft angerührt werden. Zum Zweiten – dass jedes Leben einzigartig ist, dass jeder Mensch ein Recht auf Anerkennung und Respekt hat und von Gott geliebt wird. Zum Dritten – dass jede Begegnung wichtig für mein Leben ist. Das war nie einfach. Jede Begegnung birgt das Potential in sich, etwas zu entdecken, das beglückt – genauso wie etwas zu entdecken, was mir widerstrebt und mich vielleicht verstört. Doch wenn wir einander wahrhaftig zuhören, wenn wir wirklich verstehen wollen, woher der oder die andere kommt, woran sie glaubt, worauf er hofft – werden wir am Ende belohnt und durch jede Begegnung reicher. Weiterlesen

Über das Verschwinden der Barmherzigkeit

Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukas 6,36)

Vor einiger Zeit ist ein sogenanntes „Lexikon der bedrohten Wörter“ erschienen. Denn es gibt nicht nur bedrohte Pflanzen und Tiere, sondern auch Wörter, die vom Aussterben bedroht sind. Wörter wie „Kleinod“ oder „hold“. Beide hören Sie im Alltag nicht mehr. Ebenso wenig wie das Wort „barmherzig“.

Wenn Konfirmanden beim Vorlesen aus der Bibel auf dieses Wort stoßen, dann stocken sie und betonen es mit ziemlicher Sicherheit auf der ersten Silbe. Sie sagen: „barm-herzig“. Daran merke ich, dass sie das Wort noch nie gelesen oder gehört, geschweige denn selbst gebraucht haben.

Mich beunruhigt das. Denn man sagt nicht zu Unrecht: Wenn ein Wort verschwunden ist, dann ist auch die Sache selbst verschwunden. Weiterlesen

Diakonie. Gott sei Dank!

1. „Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele! Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.“ So beginnt der 146. Psalm, den ich als Predigttext für die Vesper um Vier am 8. Juli – zum Abschluss des Marktkirchenfestes der Diakonie in Essen – ausgewählt habe. Passt das für einen Tag wie diesen, an dem Kirchenmusik und Diakonie zusammenkommen?

Und wie das passt! Das Staunen über das Wunder des Lebens, die Freude über das Leben, das Lob Gottes steht doch am Anfang von allem. Wir antworten darauf mit unserer Musik. Aber noch mehr: Wir antworten darauf mit unserem ganzen Leben. Weiterlesen

Psalm 23 – neu für unsere Zeit

Der Herr ist unser aller Hirte.
Er weidet nicht nur mich auf grünen Auen, sondern die Völker aller Länder dieser Erde.
Die Menschen der Erde müssen aber mithelfen, dass die Auen grün bleiben.
Auen werden absterben durch Hass, Respektlosigkeit, Eifersucht, Überheblichkeit, Geiz, üble Nachrede und Neid.
Wenn die Menschheit bereit ist, Respekt vor friedfertigen Religionen zu haben und die Vielfalt von Flora und Fauna zu erhalten, indem keine Gifte mehr versprüht, keine Tiere mehr gequält oder gewinnbringend verhökert werden, dann wird uns der Herr weiterhin auf grüne Auen führen. Weiterlesen

Dein Wille geschehe

Nicht mein, sondern dein Wille geschehe! (Lukas 22,42)

Im Gegensatz zur Adventszeit ist die Passionszeit weit weniger bekannt und vor allem wesentlich weniger beliebt. Obwohl beide Zeiten durch violette Antependien in unseren Kirchen gekennzeichnet werden und uns damit zur Umkehr zu Gott mahnen, haben sie doch ein ganz anderes Gepräge: Lichterglanz, Duft und Geschenke begleiten unsere Vorfreude auf Christi Geburt im Dezember, dagegen erinnern wir uns in den knapp sieben Wochen vor Ostern an die Leidenszeit Jesu, an Verrat, Schuld und gewaltsamen Tod. Weiterlesen

Wenn ein Fremdling bei euch wohnt

Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. (3. Mose 19,33)

Ein Bibelwort taucht in kirchlichen Stellungnahmen zum Umgang mit Flüchtlingen immer wieder auf. Es findet sich bei 3. Mose 19, Verse 33-34: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott.“ Für Essen verweise ich beispielhaft auf die Stellungnahme des Kirchenkreises Essen und des Diakoniewerks Essen „Flüchtlinge willkommen heißen, begleiten, beteiligen“ von 2014 oder auf das „Gemeinsame Wort der Essener Kirchen zum Umgang mit Flüchtlingen“ aus dem Februar 2016.

Wenn es in der Bibel um das gültige Recht und den sozialen Umgang mit einander geht, wird wiederholt eingeschärft: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken.“ Das versteht sich damals wie heute eben nicht von selbst. Weiterlesen