Über die Sehnsucht nach Brot und Wasser

Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne: dass ich im Haus des HERRN bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten.“ (Psalm 27,4)

Nie hätte ich gedacht, dass die Bitte des Psalmbeters meine Bitte werden könnte. Völlig ausgeschlossen schien mir, dass es untersagt werden würde, Gottesdienst zu feiern. Es waren sechs Wochen. Und die Auflagen unter denen es wieder möglich ist, sind streng. Und vieles, was an Gottesdiensten wichtig ist, ist weiterhin kaum oder gar nicht möglich.

Für mich ist Gottesdienst die spirituelle Kraftquelle der Woche. Mit ihm beginnt für mich eine neue Woche voller Möglichkeiten und Herausforderungen, denen ich als von Gott Gesegneter begegnen kann. Ob als Liturg und Prediger oder ob als Besucher: Gesang, Lesung, Gebet, Gemeinschaft, Segen sind für mich geistliches Brot und Wasser. Und die letzten Wochen musste ich stattdessen mit Astronautennahrung auskommen. Statt zu backen und zu schöpfen, mussten ich und all meine Kolleginnen und Kollegen an den Chemiebaukasten. Weiterlesen

Wie lange dauert Ostern?

Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. (Johannes 21,12)

Vor einer Woche haben wir Ostern gefeiert. Doch was aber bleibt von Ostern in unserem Alltag? Wie lange dauert Ostern? Wahrscheinlich hat uns der Alltag auch über Ostern gar nicht losgelassen in dieser Zeit der Corona-Pandemie, mit den Sorgen, Nöten und Ängsten und eben auch den Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben? Ja, wo ist denn Ostern in der Welt?

Die Auferstehung hat ein kurzes Echo im Tal der Not, der Niederlagen, der Verzweiflung und des Todes, ein Echo, das uns glauben lässt, dass die Welt am Karfreitag einfach stehen geblieben ist. Ist Ostern eine Erfahrung, die sich überhaupt in unserem Leben niederschlagen kann? Weiterlesen

Seid Akteure des Glaubens – und nicht nur Zuschauer!

Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28,18-20)

Holsterhausen, ein Essener Stadtteil südwestlich der Innenstadt. Ich besuche eine junge Familie, die ihre Tochter taufen lassen möchte. Wir sprechen über einen möglichen Ablauf des Gottesdienstes. Meine Idee: Mag jemand von Ihnen einen Text aus der Bibel lesen?

Wir blättern in der Bibel und landen im Matthäusevangelium, Kapitel 28, Verse 16 bis 20. In der Lutherbibel steht fettgedruckt „Missionsbefehl“ darüber. Bei dieser Überschrift schreckt der Vater zurück: „Missionsbefehl“ – seine Stirn zieht sich in Falten – das hört sich streng an. Tatsächlich, so erkläre ich, ist die Überschrift erst später dazugekommen. Und vielleicht gibt diese Überschrift dem Text eine falsche Note. Deshalb lade ich Sie ein, diesen Text heute noch einmal neu zu entdecken. Weiterlesen

Friedensgruß zum Stadt- und Bürgerfest Essen Original 2019

„Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ – so heißt es im ersten Artikel unseres Grundgesetzes, das vor 70 Jahren vom Parlamentarischen Rat verabschiedet wurde. In diesem Satz schwingt die Überzeugung mit, dass ein jeder Mensch einzigartig ist und einen unverwechselbaren Wesenskern besitzt.

Für mich als Christin verbindet sich mit dieser Wertschätzung der Würde eines jeden Menschen der tiefe Glaube, dass Gott einen jeden und eine jede von uns in Liebe und zur Freiheit erschaffen hat. Gott selber gibt jedem Menschen seine unveräußerliche und unverfügbare Würde. Auf dem Hintergrund der Katastrophe von zwei Weltkriegen hat der Parlamentarische Rat diese unantastbare Würde betont. Es schwingt das klare Bekenntnis zu Mitmenschlichkeit und Respekt gegenüber jedem Menschen mit. Weiterlesen

Die Kirche in der VUCA-Welt

1. Manchmal hat man den Eindruck, die Herausforderungen für die Kirche in Deutschland seien nicht nur groß, sondern einzigartig. So manche Reaktionen auf die Studie Projektion 2060, die das Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg im Mai vorgelegt hat, legten diese Einschätzung nah. Die koordinierte Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung für die evangelische und katholische Kirche in Deutschland bestätigte frühere Langzeitstudien. Sie zeigt, wie sehr „Kirche im Umbruch“ ist „Zwischen demografischem Wandel und nachlassender Kirchenverbundenheit“. Mir scheint, dass in den öffentlichen Reaktionen viel von der Stimmungslage und der Unsicherheit in unseren Gemeinden und der Kirche insgesamt aufscheint. Weiterlesen