Zweige am Baum des Lebens

Holz auf Jesu Schultern, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten und lass uns auferstehn. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 97, Strophe 1. Text: Jürgen Henkys nach dem niederländischen Met de boom des levens von Willem Bernard)

„Holz auf Jesu Schultern“ gehört zu den Passionsliedern, denen ich viel abgewinne und die ich zudem gerne singe. Wie im bekannteren Lied „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt“ (EG 98) wird auch hier schon auf Ostern angespielt, ohne die Bedeutung des Leidens Jesu für uns zurückzudrängen. Karfreitag und Ostern, Tod und Auferstehung gehören untrennbar zusammen. Ohne Ostern fehlt dem Tod Jesu Wesentliches und ohne den Tod Jesu macht Ostern wenig Sinn.

Jesus von Nazareth wurde zu Unrecht hingerichtet. Ihm wurde zum Verhängnis, dass er die herrschenden Schichten offen und zielgenau kritisierte. Er bohrte in der Wunde des Widerspruchs von Anspruch und Wirklichkeit und überführte so die Intellektuellen und Führenden seines Volkes der Bigotterie und Heuchelei. Es tut weh, überführt zu werden. Und viele Menschen reagieren, wenn sie überführt werden, mit Wut auf den, der ihre Blöße offengelegt hat. Dann fragt man sich: Wie kann er mich nur so das Gesicht verlieren lassen? Weiterlesen

Kirche hat ein prophetisches Wächteramt

Der Mund des Frevlers weiß Dinge zu verdrehen. (Sprüche 10,32)

Seit Monaten beschäftigen mich die täglichen Nachrichten über den Zustand der Welt. Ungläubig frage ich mich, in welcher Welt wir im Augenblick leben. Mir kommt es vor, als erleben wir täglich eine kleine Apokalypse, einen kleinen Untergang der Welt. Da sind die Bilder von toten Walen, in deren Mägen man kiloweise Plastik fand. Da sind die Bilder von geretteten Flüchtlingen auf Schiffen des Mittelmeeres und man lässt die Menschen nicht an Land. Über die ganze Flüchtlingsfrage und ihre Abwehr streiten die Koalitionsparteien mit dem christlichen „C“ in ihrem Namen. Da ist der Hass der AfD-Wähler, den man so schwer nachvollziehen kann, weil sie in einem der reichsten Länder leben, keinen Krieg kennen, keinen Hungertod fürchten müssen. Weiterlesen

Ein Gruß zum Jahreswechsel

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6)

Meinen Gruß zum Jahreswechsel will ich zunächst mit einem dankbaren Rückblick auf das Jahr des Reformationsjubiläums beginnen: Obwohl Menschen mit der Kirche nicht mehr selbstverständlich etwas anfangen können, ist es uns gelungen, viele Essener Bürgerinnen und Bürger mit der Geschichte und den zentralen Anliegen der Reformation in Kontakt zu bringen. Dazu haben fast zweihundert Veranstaltungen beigetragen, die von engagierten Ehren- und Hauptamtlichen aus unseren Gemeinden, Diensten und diakonischen Einrichtungen geplant und durchgeführt wurden – ein starkes, ermutigendes Zeichen! Besonders hervorheben möchte ich auch die gelungene und wohltuende Zusammenarbeit über die Grenzen unserer eigenen Konfession und Religion hinweg – hier ist etwas gewachsen, das uns alle auf dem Weg des Miteinanders deutlich voranbringen wird. Und daran wollen wir im kommenden Jahr anknüpfen. Weiterlesen