Von erfüllten Wünschen und enttäuschten Hoffnungen

Dreißig Jahre Abitur und ein großes Fest ist geplant. Wie wird es sein, wenn man sich wiedersieht? Kenne ich noch alle Namen? Sind auch wirklich alle da? Immerhin: von 106 Absolventen haben sich 73 angemeldet. Das letzte Treffen war vor zehn Jahren. Die Erinnerungen daran sind noch sehr lebendig. Wer wird kommen? Wie wird die Stimmung sein? Manche leben jetzt weiter weg. Einige im Ausland, auch in anderen Bundesländern… ich selber wohne auch nicht um die Ecke. Wie ist das Leben für die Mitstreiter gewesen in den letzten zehn Jahren? Aufregend, eine Mischung aus Vorfreude und Unsicherheit…

Und: was zieht man eigentlich an? Zehn Jahre zuvor war es ziemlich schick. In Anzug und Krawatte, manche im Kostüm. Und ehrlich gesagt, manche Gespräche waren auch ganz schön zugeknöpft und sich präsentierend: „Ich bin jetzt das und das…“, „Ich will noch das erreichen…“, „Ich habe das und das geschafft…“, „Ich werde das versuchen, ich bin jetzt fein raus…“ Feiner Zwirn, auch nach außen hin. Weiterlesen

Gott ist ausgetreten!

Stellen sie sich vor, wir stehen morgens auf, schalten das Radio oder Fernsehen an und darin wird verkündet: GOTT IST AUS DER KIRCHE AUSGETRETEN !
Jeder, ob gläubig oder ungläubig wird sich fragen: WARUM ?
Was hat Gott denn plötzlich?
Wir, die wir uns gläubig nennen, gehen doch jeden Sonntag zur Kirche um IHN zu loben und zu preisen.
Was hat Gott denn zu diesem Austritt bewogen?
Geben wir ihm denn Gründe? Weiterlesen

Diakonie. Gott sei Dank!

1. „Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele! Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.“ So beginnt der 146. Psalm, den ich als Predigttext für die Vesper um Vier am 8. Juli – zum Abschluss des Marktkirchenfestes der Diakonie in Essen – ausgewählt habe. Passt das für einen Tag wie diesen, an dem Kirchenmusik und Diakonie zusammenkommen?

Und wie das passt! Das Staunen über das Wunder des Lebens, die Freude über das Leben, das Lob Gottes steht doch am Anfang von allem. Wir antworten darauf mit unserer Musik. Aber noch mehr: Wir antworten darauf mit unserem ganzen Leben. Weiterlesen

Jesus lebt – Ohnmacht und Vollmacht

Karfreitag. Jesus stirbt. Unschuldig. Für mich. Für uns.
Ostern. Jesus ist auferstanden. Für mich. Für uns.
HALLELUJA!

Nachdem ich das kapiert hatte, nach langen Umwegen, Suchen, Ratlosigkeit, Aufgeben wollen, und schließlich, dank liebevoller Hilfestellung meiner Herzensfreundin, war ich am Ziel meiner Suche angekommen.

Meinen Weg zu Jesus hatte ich gefunden – und auch eine neue Gemeinde. Die Verbindung stand. Soviel war mir klar. Jetzt fehlte mir die Verbindung zu Menschen, und zwar unbedingt auch zu Menschen außerhalb des Gemeindelebens. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was Gott wohl mit mir vorhatte…

Dann ein Aufruf in der Zeitung – Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin. Weiterlesen

Vergnügt, erlöst, befreit

Nun sind wir angekommen im Jahr 2017. Schon seit Jahren wird in kirchlichen Kreisen von diesem Jubiläumsjahr gesprochen. Denn 2017 ist es 500 Jahre her, dass Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablass veröffentlichte. Das Jahr 2017 feiern wir als das Jahr des Reformationsgedenkens „500 Jahre Reformation“. Das Motto der Evangelischen Kirche im Rheinland für die Feierlichkeiten in den kommenden zwölf Monaten heißt in Anlehnung an einen Psalm des niederrheinischen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“. Weiterlesen

Bergpredigt 2.0

Aufgewachsen in einem Elternhaus, das auch in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts seine braune Verstrickung nicht wirklich überwunden hatte, kämpfte ich mich in meiner Pubertät mit Hilfe meiner Lehrer zu differenziertem und tolerantem Denken durch. Und kämpfte (oft vergeblich und mit Blessuren) an gegen die schamhaft verleugnende Intoleranz meiner Verwandten, mit der sie sich als rechtschaffene Bürger inszenierten.

Als Frau der Kirche fiel es mir später leicht, tolerant zu sein – war es doch ganz der Mainstream, zu dem ich nun gehörte. Weiterlesen

Mein Glaubensgarten

Zweimal im Jahr fahre ich nach Köln zu einem „kleinen Klassentreffen“. Fünf ehemalige Schulkameraden treffen sich im Frühling und im Herbst, die, die in Nordrhein-Westfalen wohnen und noch beweglich sind. Von den Fünfen, die zusammenkommen, bin ich der einzige, der Kirchensteuern bezahlt. Die vier anderen waren nie in einer Kirche oder sind ausgetreten.

Im letzten Herbst war ich sehr frühzeitig am Treffpunkt, traf aber schon einen der Freunde. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte, dass seine Enkel eine gute Entwicklung hätten. Und dann sagte er: „Dafür bin ich sehr dankbar.“ Ich fragte zurück, bei wem er sich bedanke, und er sagte, er bedanke sich bei Gott; er fügte hinzu: „Ich bin gottgläubig.“ – Hm. Weiterlesen

Glaube und Anfechtung

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

Etwas sperrig ist er, dieser Spruch, aber er sagt klar und eindeutig, was Glaube ist. Sollte es so einfach sein mit dem Glauben? Lässt Glaube sich in einem einzigen Satz definieren? Dann müssten wir den nur auswendig lernen, öfter mal in Erinnerung rufen, und schon klappt es auch mit dem Glauben. So ist es aber nicht.

Das Nichtzweifeln beinhaltet nämlich auch das Zweifeln, und die feste Zuversicht hat auch ihr Gegenteil, eine schwankende oder gar nicht vorhandene Zuversicht.
Der unbekannte Verfasser des Hebräerbriefes weiß das und richtet hier ein aufrichtendes, mahnendes und erklärendes Wort an eine ebenfalls unbekannte Gemeinde oder Gruppe, die offensichtlich müde und angefochten ist und in der Gefahr abzugleiten.

Ich denke, dieses Gefühl der Anfechtung, des Zweifels, kennen wir alle. Wir kennen Zeiten, in denen wir uns als gläubig bezeichnen würden, aber auch solche, in denen wir uns fernab jeden Glaubens fühlen. Weiterlesen

Konfirmation mit zwanzig oder: Meine Geschichte mit Gott

Am 24. Juli habe ich meine Konfirmation gefeiert, etwas verspätet, sechs Jahre um genau zu sein. Ich bin nun zwanzig und keine vierzehn mehr. In meinem Jahrgang 2010 bin ich nicht mitgegangen und zwar aus Überzeugung, obwohl ich die eineinhalb Jahre Konfirmationsunterricht mitgemacht hatte.

Damals wollte ich mich nicht konfirmieren lassen und das Versprechen der Bestätigung, im christlichen Glauben zu leben, nicht geben. Ich glaubte nicht an Gott, meine Bibel stand neben den Märchenbüchern der Gebrüder Grimm. Ein altes Buch voll mit Geschichten, um die Menschen zu leiten. Weiterlesen

Von Schafen, Wölfen, Schlangen und Tauben

Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid klug wie die Schlangen, aber zugleich aufrichtig wie die Tauben. (Matthäus 10,16)

Im Kindergarten sprechen wir vom Paradies und seiner Tierwelt, in der Vorbereitung der Kinderbibelwoche beschäftigen wir uns mit der Arche Noah und all den Tieren darauf. Aber dass auch Jesus gleich vier Tiere in einem Vers unterbringt, verblüfft wahrscheinlich nicht nur mich: Seinen Jüngern will Jesus mit diesen tierischen Vergleichen deutlich machen, wie sie als seine Gesandten in der Welt zurechtkommen sollen. Die Welt ist kein unschuldiger Kindergarten. In der Welt wird mancher Mensch dem anderen Menschen zum Wolf, ein böser, aggressiver Feind. Christen sollen aber – im Sinne Jesu – Schafe sein: friedlich und mit Gemeinschaftssinn unterwegs, um den Frieden zu verkünden, mit dem einen Hirten Jesus Christus, dem sie folgen. Dabei dürfen sie aber nicht in die Irre gehen, sich nicht einwickeln oder abschrecken lassen, und sie sollen natürlich auch nicht zum Opfer werden. Weiterlesen