Wir basteln uns einen Gott

In meiner Jugendzeit habe ich ein lustiges christliches Kabarettduo erlebt, das in seinem Programm den Umgang mit der Bibel aufs Korn genommen hat. Es klang so, wie ein Werbespot: „Halten Sie nicht auch manche Aussagen der Bibel für überholt? Und sind nicht viele Passagen für Ihre nichtchristlichen Freunde völlig ungeeignet? Dann brauchen sie den neuen Bibabo. Den Bibelbastelbogen, der Bibellesen wieder zum Vergnügen macht. Der Bibabo ist eine Bibel mit vorperforierten Seiten zum leichten Raustrennen unbequemer Passagen. Stellen Sie sich Ihre ganz individuelle Bibel selbst zusammen. Mit dem neuen Bibabo ist das ein Kinderspiel.“

Wie das bei Satire so ist, ist auch da viel Wahres dran, denn so geht es uns doch manchmal beim Bibellesen. Doch da fängt das Problem schon an: Wer bestimmt denn, was wahr ist und was nicht? Wer entscheidet dann, welche Aussage über Gott richtig ist und welche nicht? Weiterlesen

Eine Botschaft, die alles verändert

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. (Lukas 24,5-6)

In Jerusalem gibt es gleich zwei Orte, an denen das Grab Jesu – und damit der Ort der Auferstehung! – verehrt wird. Der historisch vermutlich richtige befindet sich in der „Grabeskirche“. Aber hier die Begegnung mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen zu finden, fällt mir schwer. Das Gedränge der vielen Menschen und ihr Lärm stören mich. Weiterlesen

Vom respektvollen Umgang zwischen den Generationen

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr. (Levitikus 19,32)

Wenn ich diesen Spruch lese, denke ich sofort an folgende Situation: Man sitzt im Bus, ein älterer Mensch kommt und wenn nicht genügend Platz frei ist, steht man auf und bietet ihm den Platz an. In solch einer Geste kommt zum Ausdruck, was dieses Gebot will. Es fordert uns auf, älteren Menschen den entsprechenden Respekt entgegenzubringen. Dieses Gebot hat schon eine alte Tradition. Weiterlesen

Erinnern, heilen, Christus bezeugen

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

Am 18. Februar 1546 ist Martin Luther in Eisleben gestorben, in seiner Geburtsstadt. Es war kalter Winter und der keineswegs immer gesunde, 63jährige Reformator hatte sich nicht davon abbringen lassen, in das Land der Mansfelder Grafen zu fahren – per Reisewagen natürlich –, um Streit zwischen den Parteien zu schlichten. Sie mussten die eisige Saale überqueren und es pfiff der Wind aus allen Wetterecken.

Seine geliebte Frau Käthe machte sich gewaltige Sorgen, wie wir uns vorstellen können. Trotz seines schlechten Zustands predigte er unterwegs in Halle und in Eisleben mehrfach. Aber seinen goldenen Humor behielt er, obwohl er sich immer elender fühlte. An seine besorgte Katharina schrieb er Briefe voll fröhlichen Gottvertrauens: „Laß mich zufrieden mit Deiner Sorge. Ich habe einen besseren Sorger, denn Du und alle Engel sind. Der liegt in der Krippe, und sitzet gleichwohl zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters. Darum sei in Frieden.“ Weiterlesen