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Siehe, ich mache alles neu

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. … und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; … Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. (Offenbarung 21,1-5)

Heute, am Ewigkeitssonntag, gedenken wir derer, die nicht mehr unter uns sind, gedenken wir derer, mit denen wir verbunden waren. Sie fehlen uns. Und wenn wir heute an den Gräbern stehen, dann steigen viele Erinnerungen in uns auf, an die Mutter, den Vater, den Ehepartner, den Sohn, die Tochter, den Onkel, die Schwester, den Freund, die Freundin.

Wir haben um sie lange getrauert und tun es immer noch, weil ihr Tod ein schmerzlicher Verlust war oder noch ist. Neben dem Gefühl der Trauer steht aber auch noch etwas anderes: die Dankbarkeit. Die Dankbarkeit dafür, dass wir mit diesen Menschen unser Leben haben teilen können, haben teilen dürfen. Sie haben unser Leben reich gemacht. Durch alle gemeinsamen Höhen und Tiefen hindurch haben sie uns und unser Leben geprägt.

Unsere Trauer und unsere Dankbarkeit vermischen sich mit der Hoffnung, dass alles einen Sinn, ein Ziel haben möge. Ja, wo die Trauer ihren Ort bekommt, wo sie zugelassen wird und sein darf, da stellt sich auch die Hoffnung ein. All die Gefühle, die der Tod in uns Menschen wachruft, brauchen ihre Zeit und ihren Ort.

Deshalb ist der Friedhof ein so entscheidend wichtiger Ort für die Trauer. Ich kann kommen, um all des Vergangenen zu gedenken. Ich kann kommen mit meiner Trauer, meinem Leid, aber auch mit meiner Wut und meiner Klage. Ich kann kommen mit meiner Dankbarkeit und meiner Hoffnung. Ich kann und darf aber auch wieder gehen, zurück ins Leben, es neu gestalten in all dem Auf und Ab der Welt.

Die Trauer bewusst zu leben und zu gestalten – so eigenartig es klingt – bereichert unser Leben. Es wird intensiver, tiefer und klarer. Denn wir beginnen zu fragen nach dem Leben, nach dem Sinn und dem Ziel. Wir begreifen, dass auch unsere Zeit begrenzt ist, fragen nach dem, wie wir die Zeit gestalten wollen und können, die uns gegeben ist.

Nicht, dass wir darauf schon eine klare Antwort hätten. Aber dieses Fragen schon lässt uns einen Weg beschreiten, der es möglich macht, mit der Trauer zu leben, so schwer das auch sein mag. Einen Weg, der es möglich macht, das eigene Leben neu in die Hand zu nehmen, einen Weg, den wir zwar selbst gehen müssen, der uns aber gleichsam auch führt.

Es ist der Weg der Hoffnung. Hoffnung für die, die wir haben loslassen müssen und Hoffnung für uns, dass auch wir aufgehoben sind und aufgehoben bleiben in der Liebe Gottes. Dass er uns hält und trägt und uns umfängt auch über unseren eigenen Tod hinaus. In seiner Hand sind wir und auch alle die bewahrt, die uns im Tod vorausgegangen sind. Gott hat noch eine Zukunft für uns, die über den Tod hinausweist.

In der Offenbarung des Johannes geht es letztlich um die Zukunft und öffnet in uns eine Sehnsucht. Die Erde und das Leben, das wir führen, so bekennt der Schreiber dieses Textes, werden nicht ewig bestehen. Es gibt eine Wirklichkeit, die Gott in Christus heraufführen wird am Ende der Zeit, die alles verändert, was uns vertraut ist. Wir warten, so heißt es, auf einen neuen Himmel und eine neue Erde. Es wird uns eine Aussicht eröffnet auf eine andere Wirklichkeit, in der Gott selbst sein wird alles in allem, die reine Fülle, ohne Leid, ohne Schmerz, ohne Tod.

Dieses Ende, so bekennt schon die frühe Christenheit, wird Gott selbst heraufführen am Ende der Zeiten. In vielen Bildern ist dieses Ende der Zeiten ausgemalt worden, doch gemeinsam ist ihnen, dass sie der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass wir in die Liebe Gottes hineinsterben, dass wir bei ihm geborgen sind und in ihm zum Ziel kommen. Der Erweis dafür ist unser Glaube an die Auferstehung Jesu. Daran halten wir fest. Wir wissen nicht, wie all das aussehen wird.

Doch das Wissen hilft in diesen Fragen nichts.

Aber wir dürfen es glauben.

Im Vertrauen auf Gott und seine Zusage, den Menschen nahe zu sein und sie überall hin zu begleiten, von nun an bis in Ewigkeit bei ihnen zu sein, können wir unser Leben, Sterben und letztlich auch unseren Tod annehmen. Dies lässt in uns auch die Glaubenshoffnung wachsen, dass unsere Verstorbenen in Gott geborgen sind und bleiben. Denn wir gehen aus dieser Welt, wie wir in sie gekommen sind: unter dem JA Gottes. Das glauben wir und darauf vertrauen wir und sagen dazu AMEN.

Christoph Ecker

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