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Nicht vom Brot allein

Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht. (Matthäus 4,4)

Was nehmen wir im Laufe eines Tages alles zu uns? Es beginnt morgens mit dem Frühstück, setzt sich dann je nach Essgewohnheiten mit Zwischen- und Hauptmahlzeiten den Tag über fort. Dabei gibt es Speisen, die wir gern essen, an denen wir auch schlecht vorbeigehen können, wenn wir sie irgendwo liegen sehen. Andere Speisen können wir dagegen gut liegen lassen. Sie wecken nicht unseren Appetit. Wenn wir abends zurückblicken auf das, was wir im Laufe des Tages gegessen haben, kommt da schon einiges zusammen. Spannend ist dabei auch die Frage: Was ist eigentlich gesund von dem, was wir essen? Was tut unserem Körper und damit auch unserer Seele gut? Wir wissen in der Regel, was gesund ist, doch essen das, was uns gut schmeckt. Gesund und gut schmecken muss nicht deckungsgleich sein.

Ich bin jemand, der gerne das isst, was in die Rubrik „ungesund“ fällt, und weiß das auch: Das fängt bei Nutella an, geht über Sahnetorten bis zu Bratwürstchen und Schnitzel usw. Meine Kinder, die recht ernährungsbewusst sind, dazu noch sportlich, ermahnen mich immer wieder. Ich merke, so langsam färbt das auf mich ab.

Ernährungswissenschaftler haben den Zusammenhang zwischen unserer Ernährung und möglichen Krankheiten, die entstehen können, sehr deutlich gemacht. Es gilt im Auge zu behalten: Womit tun wir unserem Körper und unserer Seele etwas Gutes?

Auch im übertragenen Sinn nehmen wir täglich Nahrung zu uns: Das kann beim Zeitungslesen am Frühstückstisch beginnen oder beim Nachrichten hören oder sehen. Im Laufe eines Tages betrachtet: Wieviele Stimmen, Laute, Informationen stürmen auf uns ein, privat und beruflich? Die Frage, die sich auch hier stellt ist: Womit tuen wir unserem Körper, unserer Seele etwas Gutes – und womit nicht?

Der Mensch lebt nicht nur vom Brot, von all den gerade erwähnten Nahrungsmitteln, aber er lebt AUCH davon, und sie bereichern unseren Alltag. Es ist ein Privileg, dass wir hier in unseren Breiten so vielfältige Nahrungs- und Lebensmittel im direkten und übertragenen Sinn zu uns nehmen können und das auch genießen dürfen. Doch manchmal ist es zu viel. Wir sind gesättigt und spüren, dass wir nichts mehr aufnehmen können. Alles, was wir dann noch zu uns nehmen oder wo wir unseren Körper „puschen“, tut uns nicht gut. Hinzukommt: unserem Körper können wir nichts vormachen. Er reagiert mit Krankheiten auf das Zuviel. Nicht nur unser Körper, auch unsere Seele. Wir sprechen zurecht von psychosomatischen Auswirkungen.

Der Mensch lebt, so heißt es weiter, von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

Es gibt Worte, die uns gut tun. Sie haben einen so hohen Nährwert, dass wir lange und auch immer wieder davon zehren. Worte, die andere Menschen zu uns gesagt haben und an die wir uns bis heute erinnern. Worte, die Gott zu uns sagt, die wir in der Bibel entdeckt haben und die uns spontan ansprechen und etwas bedeuten. Dazu können der Konfirmationsspruch oder der Hochzeitsspruch gehören. Worte, die tragen und ermutigen.

Mich ganz persönlich sprechen besonders einige der biblischen Worte an, die bei uns im Haus der Evangelischen Kirche an den Wänden des Treppenhauses stehen und die unsere Mitarbeitenden selbst ausgewählt haben:

Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. – Der Herr ist mein Hirte. – Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. – Alles hat seine Zeit.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein: Darin steckt für mich die Ermutigung, kritisch auf das zu sehen, was ich täglich zu mir nehme und in mich aufnehme. Was ist davon wirklich wichtig? Wovon lasse ich mich bestimmen? Und auch: Wovon nicht? Womit tue ich meinem Körper und meiner Seele etwas Gutes?

Wir brauchen Worte, die heilen, die Hoffnung geben und Leben neu ermöglichen. Dabei ist es gut, um die Erfahrung zu wissen, die Generationen von Menschen vor uns gemacht haben: Wir leben nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund zu uns kommt.

Heiner Mausehund