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Mit Gelassenheit und Gottvertrauen

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. (Römer 8,18)

Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat einmal geschrieben: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“ Und er hat damit einen wunden Punkt angesprochen. Man sieht und merkt uns Christinnen und Christen, das Glück Gottes Kinder zu sein, oft nicht an. Eher befremdet es uns, wenn Menschen glückselig lächelnd von ihrem Glaubensglück erzählen und wir werden vorsichtig, ob da nicht einer bei einer Sekte gelandet ist.

Das ist vermutlich aber auch nicht, wonach Nietzsche gefragt hat. Es ging ihm wahrscheinlich um eine im Glauben gründende Gelassenheit – einen wahrnehmbaren Unterschied zur Getriebenheit des Menschen. Loslassen können ist eine Lebenskunst, die Jesus den Menschen nahegelegt hat: Sorgt euch nicht um die Zukunft, vertraut auf Gott.

Auch der Apostel Paulus lebte dieses Vertrauen – das kommt in dem Vers, der über diesem Text steht, zum Ausdruck. Paulus hat offen über seine Situation geschrieben, dass es ihm körperlich nicht gut ging; und seine Zeiten im Gefängnis, in dem er zu Unrecht saß, waren den Gemeinden bekannt. Paulus hat Leid erfahren, er hat es nicht verschwiegen, aber auch nicht übermäßig betont. Er konnte annehmen, was ihm widerfuhr, weil er darauf vertraute, in Christus erlöst zu sein.

Leid nicht verschweigen, aber auch nicht in den Mittelpunkt stellen – Hilfe erbitten von Gott, aber auch von den Mitmenschen, ohne in eine ewige Leier zu verfallen – trotz des Leids auch das Gute im Leben sehen und dieses trotz allen Leides auch feiern – das ist für mich ein erstrebenswerter Umgang mit herausfordernden Situationen, der sich am biblischen Wort orientiert.

Ein wenig schwer tue ich mich mit dem Gedankengang des Apostels, dass das zukünftige Heil die jetzige Not aufwiegen wird – ein Gedanke, der sich oft in der Bibel und auch bei Jesus findet – leicht lässt er sich für mich zu einer billigen Vertröstung hindenken. Weil aber eine breite biblische Tradition Leid und Unrecht nicht einfach stehen lassen will, sondern uns Menschen auffordert, im Sinne der Gottes- und Nächstenliebe diese – so gut wir Menschen es eben können – zu beheben, ist für mich deutlich, dass diese Hoffnung kein Trost ist, der uns die Hände in den Schoß legen lässt. Nein, es ist ein Trost für all das, was uns Menschen nicht gegeben ist.

Dazu kommt mir noch ein Gedanke des Kirchenvaters Augustin: „Bete, als ob alles von Gott abhängt. Handle, als ob alles von dir abhängt.“ Wir dürfen das Beste geben. Trotzdem wird uns und anderen immer wieder Leid widerfahren, das gehört zum menschlichen Leben dazu. Doch mit Gott an unserer Seite brauchen wir nicht daran zu verzweifeln, sondern dürfen es in Hoffnung als Herausforderung annehmen.

Leider gibt es keinen Automatismus dafür, dass uns das gelingt. Und so können wir nur Gott im Gebet darum bitten, dass er uns und einen jeden mit dieser Gelassenheit, die im Vertrauen auf ihn gründet, segnet. Möge Gott uns dies geben!

Martin Keßler