Weihnachten ist ein Wirtschaftsfaktor

Wenn Archäologen auf ein Gelände stoßen, in dem sie verborgene Schätze aus alter Zeit vermuten, sagen wir mal in Kalkriese, wo die Schlacht der Germanen gegen Varus stattgefunden haben soll, gehen sie akribisch vor. Sie graben und schaben erst einmal da, wo sie ein Objekt vermuten, und wenn sie tatsächlich darauf stoßen, tragen sie Schicht um Schicht vorsichtig ab, mit einem keinen Spachtel oder auch mit einem Pinsel, manchmal auch mit der bloßen Hand, bis sie den Gegenstand frei gelegt haben und sie ihn bewundern können. Mit der Erdkruste drumherum wäre der Fund unansehnlich, freigelegt zeigt er seine ganze Würde und Schönheit.

Ähnlich geht es mir mit dem „Holden Knaben im lockigen Haar“ und all dem Drumherum, das sich mit Weihnachen verbindet. Das Deutsche Wörterbuch führt seitenlang Zusammensetzungen mit „Weihnacht“ auf, und das geht vom „Weihnachtsbasar“ bis zur „Weihnachtszuwendung“, dazwischen die Kombinationen „Weihnachtsgeschäft“, „Weihnachtsgeschenk“, „Weihnachtsmarkt“ und, für´s häusliche Fest, „Weihnachtsgans“, „Weihnachtskarpfen“ und „Weihnachtsstollen“. All das sind nur wenige Beispiele dafür, wie die Weihnachtsbotschaft nunmehr als Weihnachtsfest in das Leben unserer Gesellschaft eingesponnen worden ist. Weiterlesen

Martin Luther: Nun freut euch, lieben Christen g’mein

Das schon im Kulturhauptstadtjahr 2010 entstandene Pop-Oratorium „Die Zehn Gebote“ ist der Vorläufer des ungeheuer erfolgreichen Pop-Oratoriums „Luther“ aus der Wittener Creativen Kirche. In diesem fantastischen Werk kommt die fröhlich-ermunternde Melodie von Luthers Lied von 1523 in den schönsten rhythmischen Variationen unter anderen Texten wunderbar eingehend zum Klingen (vgl. EG 341). Ich behaupte jetzt: in keinem anderen Lied des Reformators Martin Luther kommt im Text der zehn Strophen und auch vor allem in der von ihm komponierten Melodie die Freude und die Munterkeit des befreiten Mönchs Martin mehr zum Ausdruck.

„Nun freut euch, lieben Christen g´mein, und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen“ (Strophe 1). 1523 war Luther gerade vierzig Jahre alt. Da konnte er noch springen, später nicht mehr. Aber singen konnte er bis zu seinem Tode als 63-Jähriger. Wie steht es bei uns? Was können wir noch und was nicht mehr? Weiterlesen

Über das Taufen – als Theo-Slam!

Was um alles in der Welt ist ein Theo-Slam? Das habe ich mich während meines Kontaktstudiums in Tübingen gefragt, als die Studentinnen und Studenten als Ersatz für einen kurzfristig abgesagten Vortrag den „1. Tübinger Theo-Slam im Stift“ ankündigten. Dabei handelte es sich – in Anlehnung an einen „Poetry-Slam“ – um einen literarischen Vortragswettbewerb über ein theologisches Thema, wobei der Beitrag in rhythmisierter Gedichtform abzuliefern war. Die Preise waren für alle Teilnehmer dieselben (schließlich handelte es sich um einen Wettbewerb unter evangelischen Theologen und alles allein aus Gnade!): eine Tafel Schokolade. Das Vergnügen war unter Zuhörenden und Vortragenden gleichermaßen groß! Mein eigener Beitrag handelte von der Taufe. Weiterlesen

Johannes Bugenhagen, der Mann in Luthers Schatten

2017: Dr. Martin Luther in aller Munde – Dr. Johannes Bugenhagen dagegen sehr viel weniger. Zu Unrecht. Dabei war er einer der Ersten, die sich für Luther interessierten. Schon 1523 war „Dr. Pomeranus“, das heißt „der Doktor aus Pommern“, Pfarrer an der Stadtkirche in Wittenberg und Professor an der Universität. Er wurde der „Familienpfarrer“ von Katharina und Martin Luther. Der frisch verheiratete Mönch Bugenhagen traute die Luthers 1525 und taufte alle sechs Kinder der Familie. 1546 musste er die Trauerpredigt für seinen berühmten „Beicht-Sohn“ Martin halten.

Bugenhagen war der Reformator der Kirchenordnungen – naja, werden Sie vielleicht sagen, was ist das schon. Doch halt: das ist viel! Die Kirchenordnungen hatten damals Verfassungsrang, sie waren Staatsverträge. Sie regelten mehr als heutige Kirchenordnungen, die ja weitgehend innerkirchliche Angelegenheiten ordnen. Der gesamte Bereich des Gottesdienstlichen stand an erster Stelle. Es folgten die Bildung und der Bereich der Diakonie. Alles ist heute so aktuell wie vor 500 Jahren. Weiterlesen

Kaleidoskop des Glaubens

Leo Tolstoi erzählt eine alte russische Sage, „Die drei Greise“: Ein Bischof fährt mit einem Schiff über das Meer. Er hört von einer Insel, auf der drei fromme Greise wohnen, die dort ihr Seelenheil suchen. Er fragt den Kapitän, ob man einen Zwischenhalt einlegen könne, damit er die drei Alten besuchen kann. So nehmen sie Kurs auf die Insel, setzen Anker und ein Boot bringt den Bischof zur Insel.

Die Greise kommen und verneigen sich vor ihm. Er segnet sie und sagt. „Ich habe gehört, dass ihr, Greise Gottes, hier euer Seelenheil sucht … ich bin aber ein unwürdiger Knecht Gottes, durch seine Gnade berufen, seine Herde zu weiden; so wollte ich auch euch … sehen und euch, wenn ich kann, Belehrung erteilen. … Sagt mir, wie ihr euer Seelenheil sucht und Gott dient.“ Weiterlesen

So unterschiedlich sind wir gar nicht

In der Fastenzeit 2017 habe ich an den ökumenischen Bibelgesprächen teilgenommen und durfte dort viele schöne Erfahrungen machen. Die liebevolle Gastfreundlichkeit und die offenen Gespräche über unseren Glauben haben mich sehr angesprochen. Herzlichen Dank!

Wir tauschten uns über einige Bibeltexte des Matthäus-Evangeliums aus. Wir sprachen darüber, was dieser Text mit uns und mit unserem Leben zu tun hat. Wo berührt er mich, wo spricht er mich an oder erzeugt auch Widerstand? Wie spricht Jesus zu mir in diesem Text?

Ich glaube, das ist das Verbindende unseres Glaubens: die Orientierung an Jesus Christus. Unsere gemeinsame Wurzel ist Jesus Christus. Jesus, wie er gesprochen, wie er gelebt hat und wie er uns erlöst hat. Er hat uns seinen Vater offenbart, einen Vater, der alle Menschen liebt und uns so annimmt wie wir sind. Ich bin gerne Christin. Für mich ist ein Glaube wichtig, der mir hilft, mein Leben und mich selbst besser zu verstehen und zu deuten – indem ich Gottes Wirken mitten in meinem Leben entdecke. Weiterlesen

Die Lutherrose – edel, kostbar und wunderschön

Die Lutherrose ist eines der bekanntesten Symbole der Evangelischen Kirche. Sie war das Siegel, das der Reformator ab 1530 für seinen Briefverkehr verwendete. In einem Brief an Lazarus Spengler hat Martin Luther  Punkt gebracht, was ihm an der Lutherrose wichtig ist: Er wollte mit einem Bild zeigen, was der Glaube für ihn bedeutet. Er hat Symbole genommen, die jeder kennt: eine Blume, ein Herz, das Kreuz. Und er hat Farben genommen, die für sich sprechen: Gold, blau, grün, weiß, rot und schwarz. Es war ihm wichtig, dass alle Menschen einen Zugang zum Glauben finden. Nicht nur die, die lesen können!

Im Vorbereitungskreis für einen inklusiven Gottesdienst im Essener Unperfekthaus haben wir uns mit der Bedeutung der Lutherrose beschäftigt. Das, was Luther selbst dazu sagt, haben wir gehört und unsere eigenen Gedanken dazu gesammelt. Beides möchten wir Euch und Ihnen in diesem Blog vorstellen. Weiterlesen

Gott ist ausgetreten!

Stellen sie sich vor, wir stehen morgens auf, schalten das Radio oder Fernsehen an und darin wird verkündet: GOTT IST AUS DER KIRCHE AUSGETRETEN !
Jeder, ob gläubig oder ungläubig wird sich fragen: WARUM ?
Was hat Gott denn plötzlich?
Wir, die wir uns gläubig nennen, gehen doch jeden Sonntag zur Kirche um IHN zu loben und zu preisen.
Was hat Gott denn zu diesem Austritt bewogen?
Geben wir ihm denn Gründe? Weiterlesen

Diakonie. Gott sei Dank!

1. „Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele! Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.“ So beginnt der 146. Psalm, den ich als Predigttext für die Vesper um Vier am 8. Juli – zum Abschluss des Marktkirchenfestes der Diakonie in Essen – ausgewählt habe. Passt das für einen Tag wie diesen, an dem Kirchenmusik und Diakonie zusammenkommen?

Und wie das passt! Das Staunen über das Wunder des Lebens, die Freude über das Leben, das Lob Gottes steht doch am Anfang von allem. Wir antworten darauf mit unserer Musik. Aber noch mehr: Wir antworten darauf mit unserem ganzen Leben. Weiterlesen

Alltag bei Luthers

ERZÄHLER: Denken wir uns zurück. Wir befinden uns im Frühjahr 1525 in Wittenberg. Vor gut siebeneinhalb Jahren hat Martin Luther die Thesen an die Schlosskirche angeschlagen. Was davor geschehen ist und was danach geschah, davon wollen wir heute aus berufenem Munde hören. Denn sie besuchen uns heute. Begrüßen Sie herzlich mit mir: Katharina von Bora und Martin Luther.

KATHARINA [kommt vor und ruft]: Martin, Martin!

MARTIN: Katharina, warum ruft Sie mich schon wieder herbei, ich muss an die Arbeit. Am kommenden Sonntag ist der Gottesdienst zu halten – und ich bin mit meiner Predigt noch nicht so weit. Der Text von Paulus: Das Weib sei untertan dem Manne, aus dem Epheserbrief, macht mir zu schaffen.

KATHARINA: Darum geht es gerade, Martin. Er wolle mich heiraten, hat Er gesagt. Aber ich sehe doch die Leute und höre sie reden, wie sie sich den Mund darüber zerreißen und sagen: Seht nur, die Nonne und der Mönch. Das ist wider Gottes Gebot – das ist Sünde. Wie sollen wir es nun halten, was sagt Ihm sein Glaube? Weiterlesen