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Gott macht uns stark für das, was vor uns liegt

Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. (Philipper 4,13)

Nicht kleckern, sondern klotzen: „Ich vermag alles!“
Nicht nur einiges oder etwas, sondern alles. Der Mensch, der diesen Satz formuliert hat, wird jemand sein, dem vieles gelingt und der vor wenig zurückschreckt. Ein Mensch mit vielen Freiheiten und großen Ideen.
Der Schein trügt: Der Apostel Paulus war zwar ein Mensch, der viele Ideen hatte und dem vieles gelang. Diesen Satz schrieb er allerdings, als er gerade im Gefängnis einsitzen musste. Ganz ohne Freiheiten, mit ungewisser Zukunft.Nichtsdestotrotz schreibt er einen hoffnungsfrohen Brief an die Gemeinde in Phillipi. Darin gibt er Ratschläge für ihr Zusammenleben als Gemeinschaft und bedankt sich für die Unterstützung während seiner Gefangenschaft. Dann berichtet er, wie es ihm gerade geht und schreibt: „Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“ (Philipper 4,12-13)
„Ich kann alles.“ So einen Satz hört man vielleicht eher aus dem Mund eines Kindes als aus dem eines Erwachsenen. Dann nämlich, wenn das Kind sich selbst und dem Leben voll vertraut. Darum ist es etwas ganz Besonderes, dass Paulus so einen Satz als Erwachsener und aus so einer ungewissen Situation schreibt. Es zeigt, dass er das Vertrauen in sich und das Leben noch nicht verloren hat. Er hat bereits viele schwere Erfahrungen gemacht, die ihn sicher auch ins Wanken gebracht haben, aber letztlich konnten sie ihm seinen Mut und seine Zuversicht nicht nehmen.
Paulus Vertrauen stammt aus den Erfahrungen, die er mit Gott gemacht hat. „Ich vermag alles“ kann darum nicht ohne die zweite Hälfte stehen: „durch den, der mich mächtig macht“. Oder, wie es die Bibel in gerechter Sprache übersetzt: „Ich vermag nämlich alles, weil Christus mich dazu stark macht.“
Mit Gott an seiner Seite fühlt Paulus sich so stark und sicher wie ein geliebtes Kind.
Das klingt naiv? Ja, genau so kann man das auch sagen. Das Wort „naiv“ wird zwar heute negativ benutzt, aber seine eigentliche Bedeutung lautet „ursprünglich“ oder „gebürtig“. Paulus hängt sich in seinem Glauben an seinen Schöpfer, an seinen Ursprung. Er weiß, dass er durch nichts von ihm getrennt werden kann. Und fühlt sich so in beidem, im Überfluss haben und im Mangel leiden, geborgen.
Auf dem Weg von Ostern nach Pfingsten wünsche ich dir, dass Gott sich für dich als vertrauenswürdig erweist. Dass du dich in den Erfahrungen, die du machst, von Gott getragen und geliebt fühlst wie ein Kind. Voller Vertrauen, dass er dich im Blick hat und dich stark macht für das, was vor dir liegt.

Julia Olmesdahl